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Sechs praktische Hilfsmittel, um Wandel und Flexibilität in der klinischen Praxis zu fördern

Therapeuten erleben oft, wie Klienten versuchen, ihren inneren Schmerz zu „beheben“ oder zu vermeiden – sei es, indem sie aufdringliche Gedanken unterdrücken, schwierige Emotionen bekämpfen oder Verhaltensweisen rationalisieren, die nicht mit ihren Werten übereinstimmen. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) bietet einen alternativen Weg: nicht durch die Beseitigung von Symptomen, sondern durch die Förderung psychologischer Flexibilität.
Im Mittelpunkt von ACT steht eine kraftvolle Idee: Je flexibler jemand im Umgang mit seinen inneren Erfahrungen ist, desto besser ist er in der Lage, sinnvolle Handlungen zu ergreifen – selbst wenn dabei Unbehagen auftritt. Anstatt zu versuchen, dieses Unbehagen zu beseitigen, hilft ACT den Klienten dabei, eine akzeptierendere und werteorientierte Beziehung dazu aufzubauen.
Wie können wir als Therapeuten unseren Klienten also dabei helfen, von der Erfahrungsvermeidung zur psychologischen Flexibilität zu gelangen? Das Modell bietet sechs Kernprozesse. Diese Werkzeuge sind mehr als nur Techniken; sie sind transformative Veränderungen in der Art und Weise, wie wir Klienten auf ihrem Weg zur Heilung begleiten.
1. Kognitive Defusion
Anstatt Gedanken in Frage zu stellen oder zu ersetzen (wie bei der traditionellen KVT), ermutigt ACT die Klienten, Abstand von ihnen zu nehmen. Dieser Gedanke bist nicht du– er ist ein Produkt deines Geistes. Nutze Erfahrungsübungen wie „Blätter auf einem Bach“ oder Visualisierungsübungen (wie die Metapher der „scharfen, roten Nabelschnur“ im Handbuch), um den Klienten zu helfen, sich von schmerzhaften Gedanken zu lösen.
Klinischer Tipp: Wenn ein Klient sagt: „Ich bin ein Versager“, versuch doch mal zu antworten: „Was passiert, wenn du das einfach nur als Gedanken betrachtest und nicht als Tatsache?“
2. Annahme
Das bedeutet, sich inneren Erfahrungen – Gedanken, Emotionen, Erinnerungen – voll und ganz zu öffnen, ohne zu versuchen, sie zu verändern oder zu vermeiden. Klienten versuchen oft, sich mit aller Kraft durch unangenehme Gefühle hindurchzukämpfen. ACT hilft ihnen stattdessen, sich diesen Gefühlen zuzuwenden und die Bereitschaft zu entwickeln, das zu fühlen, was sie fühlen, ohne es zu bewerten.
Klinische Erkenntnis: Betrachte seelische Belastung als etwas ganz Normales, das zum Menschsein dazugehört. Stelle klar, dass Vermeidungsverhalten die eigentliche Ursache des Leidens ist – nicht die Gefühle selbst.
3. Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment
Klienten verstricken sich oft in der Vergangenheit oder machen sich Sorgen um die Zukunft. ACT nutzt Achtsamkeit, um die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu lenken. Das schafft Raum für bewusstes Handeln statt automatischer Reaktionen.
Klinische Erkenntnis: Baue kurze Achtsamkeitsübungen in die Sitzungen ein oder nutze Formulierungen, um die Klienten zu erden: „Was spürst du gerade in deinem Körper?“
4. Das Selbst als Kontext
Klienten glauben vielleicht, dass ihre schmerzhaften Erfahrungen sie ausmachen. ACT lehrt, dass hinter all diesen Erfahrungen ein unveränderliches, beobachtendes Selbst steht. Dieses Selbst ist der Rahmen, in dem Gedanken und Gefühle entstehen, nicht der Inhalt selbst.
Klinische Erkenntnis: Nutze Perspektivwechsel und Metaphern, um Klienten dabei zu helfen, zu erkennen, dass sie mehr sind als ihr Trauma, ihre Ängste oder ihre Depression.
5. Klärung von Werten
Bei der ACT steht das Handeln im Vordergrund, das auf Werten basiert – oder anders gesagt: auf dem, was für deinen Klienten am wichtigsten ist. Das hilft dabei, den Schwerpunkt der Therapie von der Symptombewältigung hin zur Lebensverbesserung zu verlagern.
Klinischer Tipp: Frag: „Wenn dir diese Schwierigkeiten nicht im Weg stünden, was für ein Mensch würdest du dann sein wollen?“ Nutze Werte-Karten oder schreibe Metaphern in Form von Nachrufen oder Beerdigungsreden, um herauszufinden, was ihrem Leben Sinn verleiht.
6. Engagiertes Handeln
An dieser Stelle geht es in der Therapie um Verhaltensänderung. Die Klienten setzen sich Ziele, die mit ihren Werten im Einklang stehen, auch wenn dabei mal unangenehme Gefühle aufkommen.
Klinische Erkenntnis: Formuliere Ziele als auf Bereitschaft basierende Verpflichtungen und nicht als Ergebnisse. Zum Beispiel: „Ich bin bereit, nervös zu sein, um wieder Kontakt zu meiner Schwester aufzunehmen.“
Die Rolle der psychologischen Flexibilität in Therapiesitzungen und darüber hinaus
Psychologische Flexibilität ist nicht nur ein Ziel für unsere Klienten. Es ist eine Haltung, die wir als Therapeuten ebenfalls einnehmen müssen. ACT verlangt von uns, diese sechs Prozesse in Echtzeit im Blick zu behalten und uns fließend anzupassen, sobald sich neue Bedürfnisse der Klienten ergeben. Die wahre Stärke von ACT liegt in seiner Reaktionsfähigkeit: den richtigen Prozess im richtigen Moment anzuwenden – nicht starr, sondern beziehungsorientiert.
In der Praxis kann es vorkommen, dass du Achtsamkeit, Wertearbeit und Exposition miteinander verwebst – und das alles in einer einzigen Sitzung. Wenn du beispielsweise einem Klienten mit Zwangsstörung dabei hilfst, sich bereitwillig auf eine Exposition einzulassen (Erde anzufassen), wird dies zu einer werteorientierten Handlung und nicht nur zu einer Aufgabe zur Symptomlinderung. Indem du psychologische Flexibilität förderst, kannst du Klienten dabei unterstützen, ein Leben voller Sinn, Verbundenheit und Vitalität aufzubauen.





