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Wie man Paare dazu ermutigt, mit Empathie zu reagieren, statt mit den „vier Reitern“

Wenn Paare in deine Praxis kommen und in einem Kreislauf aus Schuldzuweisungen, Sarkasmus und Abblocken feststecken, dann bist du wahrscheinlich Zeuge des Wirkens der „Vier Reiter“: Kritik, Verachtung, Abwehrhaltung und Ausweichen. Diese toxischen Kommunikationsmuster sind nicht nur Vorboten für Beziehungsprobleme, sie sind auch tief verwurzelt – und lassen sich ohne gezielte, bewusste Intervention nur schwer ändern.
Als Therapeut besteht eine deiner wichtigsten Aufgaben darin, diese Muster im Hier und Jetzt zu durchbrechen und Paare zu einer einfühlsameren, effektiveren Kommunikation anzuleiten.
Wie man Paaren dabei hilft, die vier Reiter durch Empathie zu ersetzen
1. Beobachte die Reiter in Aktion
Der erste Schritt besteht darin, zu lernen, die vier Reiter zu erkennen, wenn sie in der Sitzung auftauchen:
- Die Kritik richtet sich gegen die Person, nicht gegen das Verhalten („Du bist so egoistisch“).
- Verachtung vermittelt Überlegenheit und Respektlosigkeit („Du bist so ein Weichei“).
- Eine defensive Haltung lenkt von der Verantwortung ab und wird oft zum Gegenangriff.
- „Stonewalling“ bedeutet, sich emotional abzuschotten und sich zurückzuziehen.
Vielleicht hast du einen Klienten, der seinen Partner immer wieder abwertet, verspottet und unterbricht. Seine Verachtung wird durch Humor, Überlegenheitsgefühle und Sarkasmus verschleiert – genau diese Art von zerstörerischer Kommunikation ist ein Vorbote für das Scheitern einer Beziehung.
2. Unterbrich das Muster und benenne es
Sobald du einen „Reiter“ identifiziert hast, unterbrich das Gespräch behutsam. Julie Gottman empfiehlt, Formulierungen wie die folgenden zu verwenden:
„Können wir mal kurz innehalten? Mir fällt auf, dass hier Kritik geäußert wird.“
Definiere den Begriff dann in einer Sprache, die niemanden beschuldigt. Zum Beispiel:
„Kritik ist, wenn wir unseren Partner als das Problem bezeichnen, anstatt das eigentliche Problem selbst anzusprechen. Das klingt oft so, als würde man ihm eine negative Charaktereigenschaft zuschreiben, wie zum Beispiel ‚Du bist egoistisch‘ oder ‚Dir ist alles egal‘. Dieses Verhaltensmuster kann die Verbindung mit der Zeit wirklich untergraben.“
3. Vermittele die Gegenmaßnahmen
Zu jedem „Reiter“ gibt es ein entsprechendes Gegenmittel, das Paaren hilft, ihre Kommunikation mit Empathie und Fürsorge neu zu gestalten.
Kritik & Verachtung → Sanfter Einstieg & Wertschätzung
Anstatt Vorwürfe zu machen, ermutige deine Klienten, „Ich“-Aussagen zu verwenden: „Ich fühle [Emotion] angesichts von [Situation] und ich brauche [positives Bedürfnis].“ Diese Formel verlagert den Fokus von Angriff auf Verletzlichkeit.
Hilf Paaren außerdem dabei, eine Kultur der Wertschätzung aufzubauen: darauf zu achten, was der Partner gut macht, und Dankbarkeit auszudrücken. Dieser Puffer stärkt die emotionale Sicherheit und verringert die Wahrscheinlichkeit, dass sich Verachtung einschleicht.
Abwehrhaltung → Verantwortung übernehmen
Der Schlüssel zur Überwindung einer Abwehrhaltung liegt schon in einem kleinen Maß an Eigenverantwortung. Anstatt zurückzuschlagen, schlag doch Formulierungen wie diese vor:
- „Da hast du vielleicht recht. Ich könnte versuchen, das mal anders zu machen.“
- „Ich fühle mich in die Defensive gedrängt und möchte dir besser zuhören.“
Stonewalling → Selbstberuhigung & Wiederherstellung der Verbindung
Beim Stonewalling geht es darum, körperliche Überforderung zu erkennen und den Klienten beizubringen, Pausen einzulegen, um erst dann wieder ins Gespräch einzusteigen, wenn sie sich beruhigt haben.
4. Zeig Empathie vor und stärke sie in Echtzeit
Therapeuten können aktiv dazu beitragen, die emotionale Stimmung im Raum zu verändern:
- Wenn einer der Partner sanft reagiert, mach eine Pause, um das hervorzuheben: „Das war ein tolles Beispiel für einen sanften Einstieg. Hast du gemerkt, wie anders sich das angefühlt hat?“
- Wenn ein Partner etwas Persönliches erzählt, frag den anderen: „Kannst du ihm/ihr sagen, was du gerade gehört hast? Was glaubst du, wie er/sie sich wohl fühlt?“
Empathie zu zeigen ist nicht nur eine gute Technik – es ist heilend. Wenn ein Partner nach Monaten (oder Jahren) der Entwertung sagt: „Das muss wirklich wehtun“, öffnet das die Tür zu einer völlig anderen Zukunft.
5. Schaffe Strukturen, um den Kreislauf zu durchbrechen
Bei Paaren, die tief in den „Horsemen“ feststecken, nutzt Julie manchmal visuelle Signale (wie eine Glocke) oder direkte Aufforderungen („Was nimmst du gerade wahr?“), um automatische Reaktionen zu unterbrechen. Du könntest auch die Gottman-Rapoport-Interventionanwenden, umPartner dabei zu begleiten, die Rollen des Sprechens und Zuhörens mit Empathie und Achtsamkeit auszuüben.
Wie du ein Empathie-Coach für deine Klienten wirst
Die Gottmans betonen, dass es bei der Therapie nicht darum geht, Konflikte zu unterbinden. Stattdessen geht es darum, die Art und Weise zu verändern, wie Paare damit umgehen. Indem man den Partnern beibringt, aus ihren Gefühlen heraus zu kommunizieren, Verantwortung zu übernehmen und mit Wertschätzung zu reagieren, hilft man ihnen, Widerstandsfähigkeit aufzubauen und sich wieder als Verbündete statt als Gegner zueinander zu finden.
Dabei gehst du auch mit gutem Beispiel voran und zeigst genau das, was du lehrst: wie man einen Gang zurückschaltet, wahrnimmt, was gerade passiert, und verständnisvoll darauf reagiert.
Wie John Gottman es ausdrückt:
„Die Gegenmittel gegen die vier Reiter sind nicht nur Fähigkeiten – sie sind Akte emotionaler Großzügigkeit. Und genau da beginnt die Veränderung.“
Dr. John und Julie Gottman über die 10 wichtigsten Regeln für eine gute Paartherapie





